d’oro-protec informiert – Tigermücke & Co.

29 Dez 2019 Tiger-Mücken in Europa

Neues über invasive Mückenarten in Europa!

Eindrücke und News finden Sie hier:

Zunehmende Ausbreitung gefährlicher invasiver Stechmücken

by Fabian Peters   30.06.2020 – 12:00 Uhr

Die Asiatische Tigermücke stammt ursprünglich aus den tropischen und subtropischen Gebieten Süd- und Südostasiens. Mittlerweile ist sie jedoch weltweit verbreitet. (Bild: gordzam/stock.adobe.com)

Asiatische Stechmücken breiten sich verstärkt aus

Stechmücken können ein breites Spektrum an Infektionskrankheiten übertragen, wobei die verschiedenen Mückenarten durchaus unterschiedliche Erreger weitergeben. Mit der Invasion neuer Mückenarten wie der asiatischen Tigermücke oder der japanischen Buschmücke steigt daher auch das Risiko neuer Infektionskrankheiten. Eine aktuelle Studie aus Österreich zeigt nun, wie sich die asiatischen Mückenarten zunehmend in Tirol verbreiten. Für Deutschland haben frühere Untersuchungen bereits eine ähnliche Entwicklung gezeigt.

Bisher sind in Österreich rund 50 Stechmückenarten bekannt – und es kommen neue potenziell invasive Arten hinzu, berichten die Forschenden der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) von ihren Studienergebnissen. Mehrere ursprünglich aus Asien stammende Stechmückenarten breiten sich demnach in Tirol aus. Damit steige auch das Risiko für die Übertragung gefährlicher Viren wie Dengue, Chikungunya und Zika. Eine Überwachung der Stechmückenfauna, sei daher dringend geboten.

Ausbreitung neuer Mückenarten

Insgesamt sind die zentralen Ergebnisse der Studie wenig erfreulich, berichtet das Forschungsteam. So gebe es erste Anzeichen dafür, dass sich die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) bereits in Tirol etabliert hat, also dort überwintert und nicht jedes Jahr neu eingeschleppt wird, und auch die japanische Buschmücke (Aedes japonicus) sei mittlerweile in Tirol heimisch. Sie findet sich zudem in allen anderen Bundesländern in Österreich.

Koreanische Buschmücke erstmals Österreich nachgewiesen

Erstmals konnten die Forschenden außerdem die koreanische Buschmücke (Aedes koreicus) in Österreich nachweisen. In Deutschland hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts diese bereits im Jahr 2019 in Hessen nachgewiesen und ausdrücklich vor den Risiken der Mücken-Invasion gewarnt. Denn Aedes koreicus gilt als potentieller Überträger für das Virus der Japanischen Enzephalitis, das Chikungunya-Virus und als Überträger von Fadenwürmern (Dirofilarien). Die Ergebnisse hatten das deutsche Forschungsteam im dem Fachmagazin „Parasitology Research“ veröffentlicht.

Mückenvorkommen an 67 Standorten untersucht

Die österreichischen Forschenden um Studienerstautor Hans-Peter Führer vom Institut für Parasitologie der Vetmeduni Vienna haben nun mit Hilfe sogenannter Ovitraps (Vorrichtung, auf der Stechmücken ihre Eier ablegen) die Verbreitung der Stechmücken in Tirol untersucht. „Im Rahmen des wissenschaftlichen Mückenüberwachungsprogramms wurden von Mai bis Oktober 2018 an 67 Standorten wöchentlich Ovitraps aufgestellt – 17 in Osttirol und 50 in Nordtirol“, so die Mitteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Die Probenahme erfolgte dabei an Autobahnen sowie in städtischen und ländlichen Gebieten. Die feststellbare Verbreitung der stechenden Neuankömmlinge war dabei recht hoch, berichtet das Forschungsteam. So seien an 18 von 67 Standorten (27%) Eier gebietsfremder Stechmücken gefunden worden. Die asiatische Tigermücke und die japanische Buschmücke wurden sowohl auf Autobahnen als auch in städtischen Gebieten in Ost- und Nordtirol dokumentiert und die koreanische Buschmücke konnte erstmals in Osttirol nachgewiesen werden.

Hohe Bedeutung für die öffentliche Gesundheit

„Der Nachweis der asiatischen Tigermücke, der japanischen Buschmücke und der koreanischen Buschmücke ist für die Bevölkerung, für die öffentliche Gesundheit und für die relevanten Entscheidungsträger von großer Bedeutung“, betont Studienerstautor Hans-Peter Führer. So könne vor allem die asiatische Tigermücke gefährliche Krankheitserreger wie Dengue, Chikungunya und Zika übertragen, während einheimische Stechmücken dazu nicht in der Lage sind. „Außerdem haben die neuen Stechmückenarten einige weitere unangenehme Begleiterscheinungen, da sie sehr lästig sind, in großen Massen auftreten können und auch tagsüber stechen“, berichtet der Experte.

Tigermücken besonders problematisch

Dem Studienerstautor zufolge gibt es weltweit rund 3.500 Stechmückenarten, von denen viele potenzielle Krankheitsüberträger sind und deren Verbreitung erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier haben kann. In Europa drohen vor allem durch die verstärkte Etablierung gebietsfremder Stechmücken der Gattung Aedes neue Krankheiten. So komme es durch die Tigermücke immer wieder zu lokalen Übertragungen der potenziell lebensbedrohenden Viruserkrankungen Dengue und Chikungunya, etwa in Frankreich und Italien, berichtet Führer.

Mücken-Invasion über die Autobahnen

Angesichts der aktuellen Erkenntnisse „ist eine fortlaufende Überwachung der neuen Mückenarten dringend erforderlich“, betont der Experte. Und er erklärt auch, wieso die Autobahnen regelrechte Hotspots der Mücken-Invasion bilden. „Gebietsfremde Mückenarten werden vorwiegend durch Gütertransfer eingeschleppt, sie können aber auch einfach mit dem Auto mitfahren. Daher sind Autobahnen die wichtigsten Eintrittspforten für invasive Mückenarten“, so der Studienerstautor. (fp)

Wissen

Sonntag, 10. Mai 2020

Anderer Übertragungsweg: Mückenstich birgt keine Corona-Gefahr

n-tv

Stechmücken spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem – als Nahrung für andere Tiere.

Stechmücken können einem lauschige Sommerabende und Aufenthalte in der Natur vermiesen. Schlimmer noch: Sie können auch Krankheiten übertragen. Experten beruhigen aber: Bei der Ausbreitung des Coronavirus spielen sie wahrscheinlich keine Rolle.

Von Stechmücken geht in der Corona-Pandemie nach bisherigen Erkenntnissen keine Gefahr aus. Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 werde durch Tröpfcheninfektion übertragen – mit dem Stich einer Mücke könne das Virus nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht in den Körper gelangen, sagte Mücken-Expertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).

West-Nil-Virus verbreitet sich
Heimische Mücken übertragen gefährliche Krankheiten

DER TAGESSPIEGEL                                                                                                       15.02.2020, 13:32 Uhr

Das milde Winter-Wetter lockt die ersten Mücken ins Freie. Die Insekten werden auch in Deutschland für Menschen immer gefährlicher.

Wer von Mücken gestochen wird, riskiert zunehmend eine Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten. Zu dieser Einschätzung kommt Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. Seit dem vergangenen Jahr sei klar, dass nicht nur eingewanderte exotische Mückenarten Erreger wie Zika-, Dengue- oder Chikungunya-Virus übertragen. Auch heimische Stechmücken seien von Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Institutes (FLI) als Überträger des West-Nil-Virus identifiziert worden, sagte die Biologin, die eng mit dem FLI zusammenarbeitet.

Heimische Arten übertrugen das West-Nil-Fieber auf Menschen

Heimische Arten hätten das West-Nil-Fieber auf mehrere Menschen in Deutschland übertragen. Diese ursprünglich aus Afrika stammende Erkrankung war zuvor als Tierseuche vor allem bei Vögeln bekannt. Heimische Stechmücken würden sowohl bei Vögeln als auch bei anderen Wirbeltieren und Menschen Blut saugen und das Virus so von einer Spezies auf eine andere übertragen.

Der Klimawandel mit den höheren Temperaturen begünstigt laut der Mückenexpertin die Ausbreitung des Virus. Je wärmer es sei, um so schneller vermehre sich das Virus in der Mücke und die Gefahr einer Übertragung wachse.

Das milde Winter-Wetter locke die ersten Mücken ins Freie. „Ab 6 bis 7 Grad tagsüber sind Stechmücken unterwegs, die auf Dachböden, in Kellern, Baumhöhlen oder in Brennholzstapeln überwintert haben“, sagt Werner. Die ausgehungerten Weibchen würden stechen, um Blut nachzutanken.

Zu den Erkrankungen mit dem West-Nil-Virus sagt Werner: „Als Überträger wurden heimische Stechmücken identifiziert. Sie saugen Blut sowohl bei Vögeln, als auch bei anderen Wirbeltieren und dem Menschen. So können sie das Virus von einer Spezies auf die andere übertragen.“

Mücken als Krankheitsüberträger werden dauerhaftes Problem

Die eigentliche Tierseuche, die vor allem Vögel befällt, habe zu Erkrankungen auch bei Menschen geführt. „Die Krankheit zeigt keine eindeutigen Symptome und kann von leichter Übelkeit und Kopfschmerzen über Fieber bis hin zu schweren neurologischen Schäden variieren“, sagte sie. Je wärmer es sei, umso schneller könne sich das Virus in der Mücke vermehren. „Wir gehen davon aus, dass sich das West-Nil-Virus über Mücken in diesem Jahr weiter in Deutschland ausbreitet“, sagt die Biologin.

In Hinblick auf die Klimaerwärmung werde die Thematik „Stechmücken als Krankheitsüberträger“ zu einem dauerhaften Problem in Deutschland, schätzt sie. Eine Rolle spielten dabei auch exotische invasive Arten, die sich weiter ausbreiten und tropische Erreger wie Zika- oder Dengue-Virus übertragen könnten, sagte die Mückenexpertin.

Belege für eine weitere Etablierung dieser Arten liefere unter anderem der Mückenatlas, ein seit 2012 im Aufbau befindliches Internet-Portal zur Verbreitung von Mückenarten. Jeder kann in seinem Wohnbereich vorkommende Mücken einfangen und an das ZALF schicken. Dort wird die Art bestimmt und kartiert.

Klimawandel macht sich auch bei Mücken bemerkbar

Die Asiatische Tigermücke etabliert sich demnach von Süden aus. Populationen in Bayern und Baden-Württemberg nehmen zu. Die Asiatische Buschmücke ist lediglich in Sachsen, Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein noch nicht angekommen. Und Aedes koreicus, auch Koreanische Buschmücke genannt, hat sich in Augsburg und Wiesbaden etabliert.

Im vergangenen Jahr haben Bürger mehr als 14.700 gefangene Exemplare nach Müncheberg geschickt. „Angesichts des eher mückenfeindlichen Wetters 2019 ist das beachtlich“, sagte Werner. Sie bestimmt derzeit die eingesandten Funde und trägt sie in den virtuellen Atlas ein.

Der Klimawandel macht sich Werner zufolge auch bei Mücken bemerkbar. Zur Eiablage und damit zur Vermehrung benötigten die weiblichen Tiere feuchte Brutplätze. „Die zwei vergangenen, trockenen Jahre waren arm an Stechmücken. Gerade Arten, die auf Überflutungsflächen brüten, hatten schlechte Karten“, sagt sie.

Hausmücken beginnen meist im April mit der Eiablage

Egal, wie viele Mücken die Winter überlebt hätten, entscheidend seien die Witterungsverhältnisse im Frühjahr. Hausmücken würden meist im April mit der Eiablage beginnen. Trotz der jüngsten Niederschläge sind demnach auch aktuell kaum potenzielle Brutplätze wie Pfützen, gefüllte Regentonnen oder Blumenvasen zu finden. „Selbst Feldsölle und Waldtümpel sind zum Teil komplett ausgetrocknet, weil das Wasser sofort versickert.“

Diese Entwicklung sei alarmierend. „Auch wenn wir Menschen froh sind, wenn uns keine Mücken piesacken, sind sie doch wichtig als Nahrung für Vögel, Fledermäuse oder andere Insekten“, sagt die Expertin. Das bestätigt auch Manuela Brecht vom Landesverband Brandenburg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Libellen und auch Fische würden sich von Mückenlarven ernähren. Aufgrund der Trockenheit fehle diese Nahrungsquelle und bedinge unter anderem das Insektensterben. (dpa)

______________________________________

Weniger Mücken, aber dafür die gefährlichen

Dagny Lüdemann – ZEIT ONLINE – Sonntag, 16. Februar 2020

Trotz des milden Winters könnte es einen mückenarmen Sommer geben. Das Risiko, dass sie Krankheiten übertragen, steigt indes – durch eingeschleppte und heimische Arten.

Sie töten an einem Tag mehr Menschen als Haie in hundert Jahren. Die gefährlichsten Tiere der Welt, es sind nicht Löwen oder Schlangen, Wölfe oder Krokodile: Es sind Mücken.

Nach konservativen Schätzungen sterben jedes Jahr mehr als 700.000 Menschen weltweit an durch Mücken übertragenen Krankheiten wie Malaria, dem Dengue-Fieber oder einer Infektion mit dem West-Nil-Virus. Sie infizieren sich mit Zika, Chikungunya oder anderen Tropenkrankheiten. Gegen die wenigsten der Viren und Parasiten, die durch den Insektenstich der Blutsauger in den Körper des Menschen gelangen, gibt es eine Impfung oder Therapie. Und falls doch, sind diese Dinge für die meisten Betroffenen aus armen Ländern nicht verfügbar. Manche Forscher gehen sogar von mehr als einer Million Toter pro Jahr aus (Academic Press: Qureshi: Zika Virus Disease, 2018). Allein 405.000 Menschen starben 2018 nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO an Malaria.

Die bei uns heimischen Mücken gehören zwar nicht gerade zu den Killern unter den rund 3.600 Stechmücken-Arten der Welt. Das liegt aber weniger daran, dass sie von ihrer Anatomie oder Biologie her keine Krankheiten übertragen könnten, sondern daran, dass hierzulande niemand Zika oder Malaria hat: Sofern die Insekten keine infizierten Menschen oder Tiere stechen, können sie keine Krankheitserreger weitergeben.

Doch das könnte sich im Zuge des Klimawandels ändern. Je wärmer es in unseren Breiten im Durchschnitt wird, desto häufiger wandern Mücken aus tropischen Gefilden zu uns ein – und bringen zuweilen Tropenkrankheiten mit. Und tatsächlich kommt es neuerdings auch zu einzelnen Übertragungen von Krankheiten, die man bisher hier in Deutschland nur als Reisekrankheiten kannte.

So wurden nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Deutschland im vergangenen Jahr mehrere Menschen mit dem ursprünglich aus Afrika stammenden West-Nil-Virus infiziert. Sie waren nicht etwa Rückkehrer aus dem Afrikaurlaub oder Touristen aus afrikanischen Ländern. „Als Überträger wurden heimische Stechmücken identifiziert. Sie saugen Blut sowohl bei Vögeln als auch bei anderen Wirbeltieren und dem Menschen. So können sie das Virus von einer Spezies auf die andere übertragen“, erläuterte Biologin Werner. Die eigentliche Tierseuche, die vor allem Vögel befällt, habe zu Erkrankungen auch bei Menschen geführt: Geschieht so etwas sprechen Forscher von einer Zoonose.

Je wärmer es sei, umso schneller könne sich das West-Nil-Virus in der Mücke vermehren. „Wir gehen davon aus, dass sich das West-Nil-Virus über Mücken in diesem Jahr weiter in Deutschland ausbreitet“, sagte die Biologin, die eng mit Wissenschaftlern des FLI zusammenarbeitet.

In Hinblick auf die Klimaerwärmung werde die Thematik „Stechmücken als Krankheitsüberträger“ zu einem dauerhaften Problem in Deutschland, schätzte Werner. Eine Rolle spielten dabei auch exotische invasive Arten, die sich weiter ausbreiten und tropische Erreger wie Zika- oder Dengue-Virus übertragen könnten. Belege für eine weitere Etablierung dieser Arten liefere unter anderem der Mückenatlas (siehe Kasten), ein seit 2012 im Aufbau befindliches Internet-Portal zur Verbreitung von Mückenarten. Bürgerinnen und Bürger können dazu bei sich zu Hause Mücken einfangen und an das ZALF schicken. Dort wird die Art bestimmt und kartiert. Wichtig ist nur: Sie dürfen nicht zerquetscht sein.

Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) etabliert sich demnach von Süden aus. Populationen in Bayern und Baden-Württemberg nehmen zu. Die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) ist lediglich in Sachsen, Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein noch nicht angekommen. Und Aedes koreicus, auch Koreanische Buschmücke genannt, hat sich in Augsburg und Wiesbaden etabliert.

Statistisch gesehen bleibt die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland durch einen Mückenstich mit einer gefährlichen Krankheit anzustecken, extrem gering. Das Risiko steht in keinem Vergleich zu tropischen Ländern: Allein mit Malaria waren im Jahr 2018, aus dem die neusten Daten stammen, 228 Millionen Menschen infiziert. Und das, obwohl der Kampf gegen die Krankheit rasant voranschreitet.

Die ersten Mücken fliegen schon

Während Mückenplagen andernorts also über Leben und Tod entscheiden, bleibt der Fokus in Deutschland darauf, dass die Blutsauger vor allem wegen der juckenden Einstichstellen lästige Plagegeister sind. Und gestochen werden kann man jetzt schon. „Ab 6 bis 7 Grad Celsius tagsüber sind Stechmücken unterwegs, die auf Dachböden, in Kellern, Baumhöhlen oder in Brennholzstapeln überwintert haben“, sagte Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg bei Berlin. Die ausgehungerten Weibchen würden stechen, um Blut nachzutanken.

Diesen Sommer sei aber mit vergleichsweise wenigen Mücken zu rechnen, wenn es im Frühling so trocken bleibt wie in den vergangenen Jahren. Denn zur Eiablage und damit zur Vermehrung benötigten die weiblichen Tiere feuchte Brutplätze. „Die zwei vergangenen, trockenen Jahre waren arm an Stechmücken. Gerade Arten, die auf Überflutungsflächen brüten, hatten schlechte Karten“, sagte Doreen Werner. Egal, wie viele Mücken die Winter überlebt hätten, entscheidend seien die Witterungsverhältnisse im Frühjahr. Hausmücken würden meist im April mit der Eiablage beginnen. Trotz der jüngsten Niederschläge sind demnach auch aktuell kaum potenzielle Brutplätze wie Pfützen, gefüllte Regentonnen oder Blumenvasen zu finden. „Selbst Feldsölle und Waldtümpel sind zum Teil komplett ausgetrocknet, weil das Wasser sofort versickert.“

Was manchen freut, ist allerdings ein untrügliches Zeichen des fortschreitenden Insektensterbens. Diese Entwicklung sei alarmierend, sagte Biologin Werner. „Auch wenn wir Menschen froh sind, wenn uns keine Mücken piesacken, sind sie doch wichtig als Nahrung für Vögel, Fledermäuse oder andere Insekten.“ Das bestätigte auch Manuela Brecht vom Landesverband Brandenburg des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Libellen und auch Fische würden sich von Mückenlarven ernähren. Aufgrund der Trockenheit fehle diese Nahrungsquelle und bedinge unter anderem das Insektensterben.

Während Artenschützer sich um die Insekten als wichtigen Faktor in vielen Ökosystemen Sorgen machen, versuchen Forscherinnen und Forscher weltweil mit verschiedenen Methoden, Mücken als Krankheitsüberträgerinnen zu bekämpfen. Erst kürzlich gelang es, das Erbgut von Mückenweibchen mit Hilfe der Genschere Crispr so zu verändern, dass sie den Malaria-Erreger, einem einzelligen Parasiten, nicht mehr weitergeben können.

Schön in früheren Jahren hatten Forscherinnen und Forscher – etwa in Brasilien – Mücken genetisch verändert, um ihre Rolle als Krankheitsüberträger und bessere Methoden zu ihrer Bekämpfung zu erforschen. Ein umstrittenes Vorgehen: Erst kürzlich wurde bekannt, dass sich die genveränderten Insekten, anstatt wie geplant nach einem Feldversuch abzusterben, in der Natur vermehrt hatten. Und damit das im Labor veränderte Erbgut.

_________________

So breitet sich die Tigermücke in Europa aus

Sie überträgt gefährliche Erreger und ist eigentlich in wärmeren Regionen heimisch. Doch nun wandert die Tigermücke immer weiter Richtung Norden. Das Infektionsrisiko könnte sich in ganz Europa deutlich erhöhen.

Von Ferdinand Kuchlmayr und Maria Stöhr

DER SPIEGEL – 20.10.2019, 01:02 Uhr

Sie ist nur einen halben Zentimeter groß, trotzdem ist die Tigermücke ein gefürchtetes Tier: In den Tropen und Subtropen, wo es warm und feucht ist, überträgt sie gefährliche Infektionskrankheiten wie das Chikungunya-, Dengue- oder West-Nil-Fieber. Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist außerdem besonders aggressiv, sie sticht nicht nur in der Dämmerung, sondern auch tagsüber. In Deutschland war die Mücke bisher keine große Bedrohung, denn für ihre Larven ist es hierzulande meistens schlichtweg zu kalt.

Doch die Mücke ist in Europa auf dem Vormarsch. Im Jahr 2007 erkrankten in Norditalien 200 Menschen am Chikungunya-Fieber. Das Virus war durch einen Reisenden eingeschleppt worden, die mittlerweile in ganz Italien vorkommende Asiatische Tigermücke hatte das Virus dann verbreitet.

Vor fast zehn Jahren fanden Insektenforscher auch in Deutschland erstmals Eier der Mücke – auf einem Autobahnparkplatz am Oberrhein. Inzwischen sind in verschiedenen Regionen Deutschlands Tigermückenpopulationen nachgewiesen. So etwa in Heidelberg, Freiburg – und in Jena: Die Unistadt in Thüringen ist der weltweit bislang nördlichste Punkt, an dem je ein Tigermückenvolk gefunden wurde.

Dass sich die Tigermücke immer weiter Richtung Norden ausbreitet, hat drei Gründe: Klimawandel, Tourismus und globale Handelsketten.

Der Klimawandel: Warum sich die Mücke im Norden wohlfühlt

Die Tigermücke hat sich an das Klima in gemäßigten Breiten angepasst, die Larven können den Winter hierzulande inzwischen überleben. Das hat das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in mehreren Untersuchungen bewiesen. Dazu setzten die Forscher Aedes-Mückenlarven während des Winters in Plastikboxen auf der Ostseeinsel Riems aus. Die Larven überlebten und schlüpften im Frühjahr darauf. Neben ihrer Anpassungsfähigkeit kommt den Mücken aber vor allem der Klimawandel entgegen: Die mittlere Jahrestemperatur in Deutschland hat sich seit dem Jahr 1881 um 1,5 Grad erhöht, die Winter sind im Schnitt sogar 1,6 Grad wärmer.

Wissenschaftler von der Universität Florida haben berechnet, wie sich die Mücke durch den Klimawandel in Zukunft ausbreiten könnte. Ihre Prognose: Die Mücke wird sich zunehmend in nördlichen Breiten heimisch fühlen und könnte auch dort zu einer bedeutenden Überträgerin von Krankheiten avancieren – von Krankheiten, die teils sehr gefährlich für den Menschen sein können.

Dazu kommt: Bei höheren Temperaturen könnte sich auch die ein oder andere heimische Mückenart als effizienter Überträger für solche Krankheiten herausstellen. „Das ist nie untersucht worden, weil das Problem bisher nicht da war“, sagt Mückenforscher Helge Kampen vom FLI, der sich seit Jahren mit der Ausbreitung der Spezies beschäftigt. Die Wissenschaftler, sagt er, fingen gerade an, sich damit zu beschäftigen.

Das US-Forscherteam um Sadie J. Ryan hat seiner Untersuchung verschiedene Klimaszenarien zugrunde gelegt. Im schlimmsten Fall, nämlich dass die Treibhausgasemissionen weiter ansteigen wie bisher und einen globalen Temperaturanstieg von um die 4 Grad Celsius verursachen, könnten auch in Deutschland mehrere Monate im Jahr optimale Bedingungen für die Mücke herrschen.

Wie bei den meisten Stechmücken saugen auch bei der Asiatischen Tigermücke nur die Weibchen Blut. Das darin enthaltene Eiweiß benötigen sie für die Eierproduktion. Milde Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad begünstigen die Vermehrung: Je wärmer, desto öfter legen die Mückenweibchen Eier – und desto öfter stechen sie. In warmen Monaten steigt damit das Infektionsrisiko:

Dem Gelege können dann auch besonders strenge Winter nichts anhaben: Viele Tigermückenweibchen suchen sich Ablagestellen, die das ganze Jahr über geschützt sind. Sie legen ihre Eier zum Beispiel in der Kanalisation ab, wo es auch in den Wintermonaten warm ist.

An anderen Orten der Welt dagegen könnte es der Mücke angesichts des globalen Temperaturanstiegs langfristig zu heiß werden: In Südostasien, Afrika oder im Amazonasbecken, wo sie bislang vor allem beheimatet war, könnte ihr Vorkommen in der Folge sogar sinken.

Tourismus und Handel: Wie die Mücke nach Deutschland kommt

Aus eigener Kraft kommt die Mücke nicht weit. „Sie fliegt schlecht und ungern“, sagt Forscher Kampen. In einer globalisierten Welt muss sich die Tigermücke aber auch gar nicht anstrengen: Sie reist als blinder Passagier – in Containern, in Autos, im Gepäck.

Ein Einfallstor nach Europa ist beispielsweise der Reifenhandel: Per Schiff kommen alte Reifen aus Tigermückengebieten in Asien nach Europa, um hier geschreddert und als Brennmaterial oder für den Straßenbau verwendet zu werden. Die Tigermücke reist als blinder Passagier mit den Reifen. Kleine Wasserpfützen am Gummi sind ideale Brutstätten für ihre Eier und Larven.

Auf europäischem Boden tauchte die Asiatische Tigermücke erstmals 1979 in Albanien auf, zehn Jahre später in der italienischen Hafenstadt Genua. Mittlerweile ist sie in ganz Italien verbreitet. Von dort überwindet die Mücke die Alpen als Mitreisende, etwa im Gepäck von deutschen Touristen. Werden dann in Deutschland die Koffer geöffnet, summt die Mücke in ihren neuen Lebensraum.

Die Mücke ist da – kommen jetzt auch die Infektionskrankheiten?

„Die Mücke allein ist noch keine Gefahr“, sagt Hendrik Wilking vom Robert-Koch-Institut. Denn sie trägt nicht automatisch Krankheitserreger in sich. Der Kreislauf der Infektion geht so: Eine Mücke sticht eine zum Beispiel im Urlaub infizierte Person, über deren Blut nimmt sie den Erreger auf. Beim nächsten Stich gibt sie den Erreger ins Blut der nächsten Person ab. Jede weitere Mücke, die das Blut dieses Menschen aufnimmt, trägt das Virus weiter – und könnte Krankheiten wie Chikungungya, das Dengue-Fieber oder Zika in Deutschland verbreiten.

In Sachsen hat sich kürzlich ein 70-Jähriger durch einen Mückenstich mit dem West-Nil-Virus angesteckt. Die Übertragung erfolgte in dem Fall sehr wahrscheinlich durch Mückenstiche zunächst von Vögeln und nachfolgend dem Menschen. Vögel sind die wichtigsten Wirte des Virus. Mücken infizieren sich oft, wenn sie die Tiere stechen und können den Erreger anschließend an den Menschen weitergeben.

Die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie bleibt in Deutschland aber gering. Die medizinische Versorgung hierzulande ist gut – sollte sich einmal jemand mit einer Infektionskrankheit anstecken. Außerdem ist die Verbreitung von Mücken und Erregern auch eine Hygienefrage: Je sauberer zum Beispiel die Sanitäranlagen, desto weniger geeignete Brutplätze finden die Mücken. Auch die Trockenlegung von Sümpfen hilft, die Mückenverbreitung zu bremsen. Generell gilt: Wassereimer und Regentonnen im Garten sind beliebte Brutplätze für Mücken aller Art. Wer deren Vermehrung eindämmen will, sollte spätestens alle 10 Tage das Wasser leeren.

Wer eine Mücke bei sich zu Hause findet, die ihm unbekannt vorkommt, kann sie an die Betreiber des Mückenatlas schicken. Der Mückenatlas kartiert die Stechmücken in Deutschland und bildet ab, wo welche Mücke vorkommt. Dort werden die Exemplare untersucht, die vorher von Privatpersonen eingesandt wurden. Ist beispielsweise eine Tigermücke dabei, greift die Mücken-Taskforce des FLI ein: Die Forscher fahren zum Ort, an dem die Tigermücke auftauchte und versuchen, die Brutstelle zu finden. Dann informieren sie entsprechende Gesundheitsbehörden, die Maßnahmen zur Bekämpfung einleiten können. Eingreifen können die Wissenschaftler aber nicht. Denn die Bundesländer sind nach dem „Infektionsschutzgesetz“ erst dann verpflichtet die Spezies zu bekämpfen, wenn eine Krankheit ausbricht.

Dabei sind sich Forscher einig, dass man sich auf Ausbrüche tropischer Krankheiten vorbereiten müsse – und nicht bei der Bekämpfung zögern sollte. Das bedeute auch, so Mückenforscher Kampen, die Tigermücke in Deutschland zu bekämpfen, sobald sie entdeckt wird. „Wenn man das einfach so laufen lässt“, sagt er, „haben wir irgendwann eine so große Tigermücken-Bevölkerung hier, dass wir keine Chance mehr gegen sie haben.“

___________________________

14. Oktober 2019, 18:49 Uhr

Insekten:“Friedhöfe und Kleingartenanlagen sind für Mücken ideale Plätze“

Die Asiatische Tigermücke sticht mittlerweile auch in Deutschland zu.

Die Asiatische Tigermücke ist erstmals in München nachgewiesen worden. Mücken-Experte Helge Kampen über die Gefahr, die von dem Insekt ausgeht, und wie man die Verbreitung verhindert.

Interview von Martina Scherf

Die Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit in Greifswald und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg haben vor Kurzem drei Exemplare der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) aus München zugeschickt bekommen. Die Institute erstellen gemeinsam einen nationalen Mückenatlas. Helge Kampen aus Greifswald ist Spezialist für die Tigermücke.

SZ: Sie haben vor Kurzem Tigermücken aus München zugeschickt bekommen. Wie gefährlich sind diese Tierchen?

Helge Kampen: Sie sind zunächst ungefährlich. Denn sie können ja nur Krankheitserreger übertragen, wenn sie vorher jemanden gestochen haben, der infiziert war. Dass die Mücke, die bei uns immer noch extrem selten ist, auf einen Tropenreisenden trifft, der gerade infiziert wurde, ist äußerst unwahrscheinlich. Aber potenziell können sie Viren übertragen, die Dengue-, Chikungunya-, West-Nil-Fieber und Zika-Infektionen auslösen.

Wie kommt die Tigermücke überhaupt nach Deutschland?

Durch ihre Eier und den weltweiten Handel. In Südeuropa, vor allem Italien, ist sie weit verbreitet. Dort gab es in den vergangenen Jahren auch schon Epidemien mit Dengue oder Chikungunya.

Wer hat Ihnen denn die Tigermücke aus München zugeschickt?

Eine aufmerksame Friedhofsbesucherin. Es war ein besonders gut erhaltenes Exemplar, ein Topmodel sozusagen, sodass wir davon ausgingen, dass sie auf diesem Friedhof geschlüpft war.

Wie fängt man eine Mücke, ohne sie zu zerquetschen?

Am besten mit einem Glas, das man verschließt und über Nacht einfriert. Die Anleitung finden Sie auf unserer Homepage mueckenatlas.com.

Wie viele Mücken bekommen Sie?

Seit wir begonnen haben, waren es schon mehr als 120 000. Die allermeisten sind nichts Besonderes. Nur einige wenige sind seltene oder invasive, also eingeschleppte Arten. Denen gehen wir dann nach.

Was machen Sie in so einem Fall?

Wir fahren zum Fundort und untersuchen möglichst das ganze Gelände nach Larven. Friedhöfe und Kleingartenanlagen sind für Mücken ideale Plätze wegen der vielen Wassergefäße, die dort herumstehen. Vor drei Jahren haben wir im Spätherbst in Erding auf einem Friedhof Tigermückenlarven entdeckt. Als wir im nächsten Jahr wiederkamen, fanden wir neue Larven. Deshalb gingen wir davon aus, dass die Mücke dort überwintert hat. Stadt und Friedhofsverwaltung haben dann die Mückenquellen eliminiert.

Ist es den tropischen Mücken in unseren Wintern nicht zu kalt?

Wir gehen davon aus, dass die Eier überwintern können. Das ist eine Anpassungsleistung. Wir haben das auch schon an anderen Orten in Deutschland beobachtet.

Liegt es am Klimawandel, dass die tropischen Arten inzwischen bei uns überleben?

Ja. Wenn es wärmer wird, laufen alle biologischen Prozesse schneller ab. Mücken benötigen aber auch eine hohe Luftfeuchtigkeit und stehendes Wasser. Deshalb hoffen wir, dass die Behörden die Bürger aufklären. Man sollte alle Wassergefäße – Vogeltränken, Regentonnen, Pflanzenuntersetzer, leere Blumenvasen – auf dem Friedhof einmal in der Woche ausleeren. Die Mücke fliegt nicht weit, sie hat einen Radius von 100 bis 200 Metern.

Dieses Jahr ist die Saison beendet?

Ja, aber es wäre gut, wenn die Bevölkerung aufmerksam bliebe. Und jede Mücke, die einem unbekannt vorkommt, sollte man zu uns schicken.

________________________

Krankheitsüberträger

Asiatische Tigermücke in Frankfurt nachgewiesen

Veröffentlicht am 18.09.19 um 13:04 Uhr

In Frankfurt sind Exemplare der Asiatischen Tigermücke gefangen worden. Nun bittet die Landesregierung Bürger um Hilfe, damit sich das krankheitsübertragende Insekt nicht weiter vermehrt.

Erstmals wurde die Asiatische Tigermücke im Jahr 2018 in Frankfurt entdeckt – jetzt sind weitere Exemplare des potenziellen Krankheitsüberträgers im Stadtgebiet nachgewiesen worden, wie das hessische Sozialministerium am Mittwoch mitteilte.

Eigentlich stammt die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) aus Südostasien. 1979 wurde sie zum ersten Mal in Europa entdeckt, 2007 erstmals in Deutschland. In einigen Regionen der Republik hat die Tigermücke nach Angaben des Ministeriums inzwischen bereits überwintert und sich dauerhaft angesiedelt.

Die Mücke ist potenzielle Überträgerin verschiedener hauptsächlich in wärmeren Regionen vorkommender Krankheitserreger wie beispielsweise dem Dengue- oder Chikungunyavirus. Das durch den Denguevirus ausgelöste Denguefieber kann bei schwerem Verlauf für den Menschen tödlich sein. Allerdings muss die Tigermücke zunächst einen infizierten Menschen stechen, der solche Viren im Blut aufweist, um selbst Überträger werden zu können.

Aufruf zur Mückenbekämpfung

Nun hofft die Landesregierung auf den Einsatz der Bürger. Um den Mücken das Brüten und somit die Vermehrung zu erschweren, bittet sie insbesondere in den Sommermonaten darum, folgende Punkte zu berücksichtigen:

  • Wasseransammlungen in Blumentopfuntersetzern, ungenutzten Gießkannen oder Eimern sollten vermieden und Regentonnen abgedeckt werden.
  • Wasser in Vogeltränken oder Planschbecken sollte mindestens einmal wöchentlich ausgetauscht werden.
  • Zudem sollten Regenrinnen mehrmals im Jahr vom Laub befreit werden, damit sich kein Wasser darin staut.
  • Bei der Grabpflege auf dem Friedhof empfiehlt es sich, ungenutzte Blumenvasen auf den Kopf zu stellen und Gießkannen zu leeren.

Bürger halfen beim Mückenatlas

Entdeckt wurde die Tigermücke übrigens auch dank der Hilfe von Bürgern, die gefangene Exemplare zur Bestimmung beim Mückenatlas einschickten.

Der Mückenatlas ist ein Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Mückenexemplare bestimmt und in einer Karte Übersicht darüber gibt, wo welche Mückenarten auftreten. Die Daten sollen Informationen über das Ausbreitungsmuster der Stechmücken liefern und helfen, die Asiatischen Tigermücke zu bekämpfen.

______________________________________________

Bevölkerung um Mithilfe gebeten

Tigermücke in Frankfurt gesichtet: Übertragung des Denguevirus möglich 

Von Jutta Rippegather am 19.09.2019

In Frankfurt wurde im zweiten Jahr in Folge ein Exemplar der Tigermücke entdeckt. Das Hessische Sozialministerium bittet die Bevölkerung um Mithilfe.

Frankfurt – Die Asiatische Tigermücke fühlt sich wohl in Hessen: Im zweiten Jahr in Folge wurde ein Exemplar der Aedes albopictus in Frankfurt nachgewiesen, teilte das hessische Sozialministerium am Mittwoch mit. Verbunden mit der Bitte an die Bevölkerung, sich am Kampf gegen die Ausbreitung des Insekts zu beteiligen.

Ein aufmerksamer Bürger habe das besagte Exemplar in Frankfurt entdeckt und an den „Mückenatlas“ geschickt, ein Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung und des Friedrich-Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Die aus Südostasien stammende potenzielle Überträgerin von Krankheitserreger wie dem Dengue- oder Chikungunyavirus kommt hauptsächlich in wärmeren Regionen vor.

Informationen
Ein Flyer des Sozialministeriums liegt in allen hessischen Gesundheitsämtern aus. Informationen sowie Handlungsempfehlungen auch im Internet: https://hessenlink.de/FAQMuecke.

Eingefangene Mücken können Bürger beim Mückenatlas zur Artbestimmung einschicken und damit zum Mückenmonitoring in Deutschland beitragen. Mehr unter www.mueckenatlas.com

Frankfurt: Tigermücke wieder nachgewiesen 

Frankfurt führt bekanntlich kein Inseldasein. Die Stechmücke kennt keine Stadtgrenzen. Auch in anderen Regionen Deutschlands habe sie bereits überwintert und sich dauerhaft angesiedelt. Umso wichtiger sei es dafür zu sorgen, dass sich die Tigermücke* nicht auf dem eigenen Grundstück und im eigenen Garten ansiedelt, mahnt das Ministerium. Als wirksamster und nachhaltigster Schutz gegen Ansiedlung empfehle sich, die Möglichkeit zum Brüten zu nehmen: etwa indem im Sommer jegliche Wasseransammlungen im Freien vermieden werden.

Die gibt es zum Beispiel in Topfuntersetzern, in ungenutzten Gießkannen, in Eimern. Regentonnen sollten abgedeckt werden. Wasser in Vogeltränken oder Planschbecken mindestens einmal wöchentlich ausgetauscht werden. Ein weiterer Tipp: Regenrinnen mehrmals im Jahr vom Laub befreien, damit sich kein Wasser darin staut.

Denguevirus kann durch Tigermücke in Frankfurt übertragen werden 

Für die Grabpflege auf dem Friedhof empfehlen die Experten, ungenutzte Blumenvasen auf den Kopf zu stellen und Gießkannen zu leeren. Noch mehr Tipps hat das Ministerium in einem Flyer zusammengefasst und ins Internet gestellt. Wer zum Mückenmonitoring in Deutschland beitragen möchte, schickt eingefangene Exemplare zur Artbestimmung an den „Mückenatlas“.

Um herauszubekommen, ob Populationen überwintert haben oder neu eingeschleppt wurden, hatte das Land im Frühjahr das Monitoring im Frankfurter Stadtgebiet fortgesetzt. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) beauftragte damit Experten des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums. Die von ihnen gesammelten Daten sollen Informationen über das Ausbreitungsmuster der Stechmücken liefern. Und dabei helfen, die richtigen Schritte einzuleiten, damit sich die Asiatische Tigermücke, nicht weiter verbreitet

Mückenatlas Deutschland

Mücken fangen für die Wissenschaft

Immer mehr exotische Mückenarten, die Krankheiten übertragen können, tauchen bei uns auf. Wo genau? Wie viele? Das wollen auch Wissenschaftler wissen und erstellen einen Mückenatlas. Dafür brauchen sie Ihre Hilfe! Jeder kann mitmachen.

Stand: 25.02.2019

Weltweit gibt es etwa 3.500 Stechmückenarten, von denen rund fünfzig bisher in Deutschland nachgewiesen wurden. Immer häufiger tauchen invasive Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke bei uns auf, die Forscher mit Sorge beobachten. Um genau zu verfolgen, welche Arten tropischer Stechmücken wo in Deutschland auf dem Vormarsch sind, wurde 2012 der Mückenatlas ins Leben gerufen und hat sich zu einem der erfolgreichsten Citizen-Science-Projekte (Bürgerwissenschaft) entwickelt, denn bei diesem Projekt kann jeder mitmachen. Initiatoren sind das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald.

Im Mückenatlas wird jede Mücke bestimmt

Bislang haben die Wissenschaftler schon mehr als 20.000 Einsendungen mit über 100.000 Stechmücken von Mückenjägern aus ganz Deutschland bekommen (Stand: Februar 2019). Zehntausende von Mücken bestimmen und kartieren sie jedes Jahr für den Mückenatlas.

Mehr eingewanderte Mückenarten gezählt

2018 wurden erneut 11.000 Mücken für das Forschungsprojekt eingeschickt. Besorgniserregend waren darunter 34 Tigermücken – doppelt so viele wie im Jahr davor, erklärte die Mückenexpertin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), die am Mückenatlas mitarbeitet.

„Durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken-übertragenen Krankheiten wie Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Fieber sowie den Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika wurde die aktuelle Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger unter Beweis gestellt. Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten.“

Doreen Walther, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Falle und Köder statt Geduld und Spucke

Um ein möglichst großes Spektrum an Arten zu fangen, haben die Forscher bundesweit 120 eigene Fallen an verschiedenen Standorten aufgestellt und benutzen unterschiedliche Köder. Ein Lockstoff ist zum Beispiel Kohlendioxid. Das Gas simuliert den menschlichen und tierischen Atem und ist für einheimische Mücken besonders attraktiv. Außerdem kann jeder, der eine Mücke gefangen hat, sie den Wissenschaftlern zur Bestimmung schicken – aber bitte nicht zerquetscht!

Mitmachen beim Mückenatlas

Mitmachen, aber bitte nicht draufhauen!

Für den Mückenatlas suchen Forscher weiterhin Mücken aus allen Teilen Deutschlands. Vor allem aus dünn besiedelten Regionen Deutschlands kommen wenige Einsendungen. Doch die Mücken einfach totschlagen ist nicht erlaubt: Zerquetscht nützen die Insekten der Wissenschaft nicht mehr. Die Stechmücken sollen unbeschädigt eingefangen und in ein passendes Gefäß befördert werden, zum Beispiel ein Einweckglas. Danach kommen sie über Nacht ins Tiefkühlfach. Anschließend werden sie an das ZALF geschickt. Informationen zum Mückenatlas, wie man Mückenjäger wird und Wissenswertes über Stechmücken gibt es hier:

„Je mehr Tiere die Leute einschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, unterschiedliche Arten zu finden.“

Doreen Walter, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung

Eingeschleppte Mücken können Krankheiten übertragen

Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke

Tropische Stechmücken erobern Deutschland

Tropische Mücken wie die Asiatische Tigermücke oder die Asiatische Buschmücke sind bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch. Beide Mückenarten können gefährliche Krankheiten übertragen, wie das Denguefieber oder das Zika-Virus. [mehr – zum Artikel: Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke – Tropische Stechmücken erobern Deutschland ]

Die zunehmende Globalisierung und vor allem der länderübergreifende Warentransport begünstigen, dass Stechmücken, die bisher nicht in Deutschland zu finden waren, eingeschleppt werden und sich hier ansiedeln. Einige von ihnen, wie die Asiatische Buschmücke und die Asiatische Tigermücke können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Die Asiatische Tigermücke gilt als besonderes Risiko: „Weit mehr als zwanzig, vor allem aus den Tropen bekannte Krankheitserreger, kann diese Art nachweislich übertragen – darunter das Dengue-, Gelbfieber- und West-Nil-Virus, aber auch das berüchtigte Zika-Virus„, erklärt Helge Kampen, Infektionsbiologe am Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern.

„Wir wissen, dass wir es in naher Zukunft immer mehr mit über Insekten übertragenen Erkrankungen zu tun haben werden. Nicht gleich, aber in zehn, fünfzehn Jahren. Und da ist es wichtig, dass man weiß, welche Mückenarten vorkommen, um präventiv darauf einwirken zu können.“

Professor Sven Klimpel, Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut

Auch einheimische Mücken unter strenger Beobachtung

Aber nicht nur eingewanderte Mücken stellen eine Bedrohung dar: Manchmal sind es nur eingewanderte Krankheitserreger, die dann auch von den einheimischen Mücken verbreitet werden. Auch das untersuchen die am Mückenatlas beteiligten Forschungsinstitute.

So wurde in Deutschland bereits der Hundeherzwurm (Dirofilaria immitis) als neuer Parasit nachgewiesen, der normalerweise im Mittelmeerraum vorkommt. Mücken übertragen die Wurmlarven auf Hunde. Ausgewachsen kann der Wurm das Hundeherz schädigen. Für Menschen ist er in der Regel ungefährlich. Anders der Hundehautwurm (Dirofilaria repens), der beim Menschen Hirnhautentzündung auslösen kann. Seine Larven wurden bereits in mehreren heimischen Stechmückenarten entdeckt.

Welt-Moskito-Tag                DW-Deutsche Welle 20. August 2018

Die gefährlichsten Krankheiten, die Mücken übertragen

Dieses typische Geräusch, mitten in der Nacht, immer dicht am Ohr vorbei – eine lästige Stechmücke. Einige können uns mit gefährlichen Krankheiten infizieren. Malaria ist nur eine von vielen.
Leishmaniose
Mit bloßem Auge kann man Sandmücken kaum erkennen. Diese Mücken sind gefährlich, denn sie übertragen die Infektionskrankheit Leishmaniose, auch als Orientbeule bekannt. Vor allem in südlichen Ländern sind sie zuhause, etwa im Mittelmeerraum oder in den Tropen. Aber auch in Deutschland wurden sie schon gesichtet. Es sind nur die befruchteten Weibchen, die Blut saugen. Unbefruchtete Weibchen und männliche Mücken bedeuten keine Gefahr. Es existieren 30 verschiedene Leishmanien-Spezies. Tiere, etwa Hunde, werden am häufigsten durch die parasitären Einzeller infiziert, aber zehn der Leishmanien-Arten können auch beim Menschen Krankheiten auslösen.
Das Fatale: Die ersten Symptome tauchen manchmal erst nach Wochen oder sogar Monaten auf. Es beginnt mit Fieber und Kopfschmerzen. Die Lymphknoten schwellen an. Die infizierte Person fühlt sich müde und schwach, verliert eventuell stark an Gewicht.
Die Leishmaniose befällt verschiedene Stellen des Körpers. So werden der Nasen- und Rachenbereich von der Schleimhaut-Leishmaniose befallen. Am Anfang entwickelt sich meist ein Hautgeschwür. Wird die Krankheit nicht behandelt, weitet sie sich auf Knorpel und Bindegewebe aus und zerstört diese. Das kann zum Beispiel zu Löchern in der Nasenscheidewand führen. Aber es kann noch schlimmer kommen. Dann nämlich, wenn sich eine Eingeweide-Leishmaniose entwickelt. Die greift wichtige innere Organe an, Leber und Milz zum Beispiel.
Weltweit erkranken jedes Jahr etwa 12 Millionen Menschen an Leishmaniose. Die Erkrankung ist heilbar, aber der Patient sollte mit den beschriebenen Symptomen möglichst sofort zum Arzt. Ohne entsprechende Therapie kann Leishmaniose zum Tod führen. Einen wirksamen Impfstoff gibt es nicht.
Mehr dazu: Kleiner Biss, große Gefahr: Wenn ein „Vektor“ krank macht
Sindbis-Fieber
Die nachtaktiven Mücken der Gattung Culex übertragen die Erreger des sogenannten Sindbis-Fiebers. Das Virus kommt in afrikanischen Regionen vor. Wissenschaftler konnten es aber auch in europäischen Ländern in Mücken und im Menschen nachweisen.
Zunächst hat die betroffene Person grippeähnliche Symptome und Fieber. In Einzelfällen kann die Körpertemperatur auf über 40 Grad ansteigen. Eine Gehirnentzündung kann entstehen. Nach der ersten Phase kommt es zu Gelenkentzündungen, die für diese Infektion typisch sind. Sie werden im Verlauf der Erkrankung stärker, treten vor allem an Hand-, an Finger- und Fußgelenken auf und sind später begleitet von Hautausschlägen.
Wird die Erkrankung nicht richtig behandelt, kann sie chronisch werden. Ständige Gelenkschmerzen sind die Folge. Das sind Extremfälle. Meist aber wird das menschliche Immunsystem mit dem Virus fertig. Die Krankheitssymptome bilden sich nach einigen Wochen ohne Nachwirkungen zurück. Eine Impfung gibt es nicht.
Gelbfieber
Die Tigermücke, sowie einige andere Mücken der Gattung Aedes, sind für Gelbfieber verantwortlich – ein sogenanntes Flavi-Virus. Die Gefahr, von der Mücke erwischt zu werden und an Gelbfieber zu erkranken, besteht in 34 Ländern Afrikas und 13 Ländern Süd- und Mittelamerikas.
è Waldnahe Gebiete in tropischen Ländern sind eine ideale Umgebung für Infektionen mit Gelbfieber
Wissenschaftler unterscheiden drei verschiedene Übertragungswege: Beim sogenannte Busch- oder Dschungelfieber werden Menschen eher zufällig infiziert – dort übertragen die Mücken das Virus zwischen Affen. Wird ein Mensch infiziert, kann er das Virus in die Stadt tragen.
So kommt es zum zweiten Übertragungsweg, bekannt als urbanes Gelbfieber. In Ballungsgebieten wird das Virus von Mensch zu Mensch übertragen und setzt sich dort fest. Der dritte Gelbfieber-Zyklus betrifft Menschen in Randgebieten zwischen Wald und Savanne, wo Mücken, Affen und auch Menschen leben. Dort finden immer wieder Ansteckungen vom Tier zum Menschen und zurück statt.
Zunächst treten Fieber und grippeähnliche Symptome auf. Den Betroffenen ist übel und sie müssen sich übergeben. Wird Gelbfieber nicht behandelt, kann es zu Hirnhautentzündungen führen oder auch dazu, dass lebenswichtige Organe schwer geschädigt werden oder ganz versagen.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Gegen Gelbfieber kann man sich impfen. Einige betroffene Länder erlauben die Einreise nur für geimpfte Menschen, zum Beispiel Uganda und Sierra Leone. Die Impfung hält ein Leben lang.
Dengue-Fieber
Aedes aegypti sind auch die Überträger von Dengue-Fieber. Zum Beispiel im beliebten Urlaubsziel Thailand ist die Tigermücke heimisch und treibt dort ihr Unwesen. Das Virus kommt in großen Teilen Südostasiens vor – von Afghanistan bis Nord-Australien aber auch in Subsahara-Afrika vor und in Zentral- und Südamerika sowie einigen südlichen US-Bundesstaaten.
Wird man gestochen und infiziert, reichen die Beschwerden von Muskel- und Gelenkschmerzen bis hin zu Kopfschmerzen und Fieber. Wer eine Infektion mit Dengue-Fieber überstanden hat, kann sich aber keineswegs in Sicherheit wiegen. Eine zweite Infektion ist wesentlich schlimmer als die Erstinfektion.
96 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an Dengue-Fieber. Damit ist es die Erkrankung, die am häufigsten von Stechmücken übertragen wird. Es gibt zwar mittlerweile einen Impfstoff. Dieser unterliegt aber einigen Einschränkungen, weil auch eine Impfung tödlich verlaufende Reaktionen des Körpers auslösen kann.
So sollten in Endemiegebieten, in denen es eine hohe Übertragungsrate gibt, nur Kinder ab neun Jahren damit geimpft werden und nur seropositive Menschen – also solche, die schon einmal infiziert waren. Die WHO empfiehlt den Impfstoff nur in Ländern einzusetzen, in denen mehr als 70 Prozent der Einwohner Antikörper gegen Dengue entwickelt haben.
Zika-Infektion
Aedes aegypti – die Gelbfiebermücke – und Aedes albopictus – die asiatische Tigermücke – übertragen das Zika-Virus. Es kommt in den tropischen Gebieten Afrikas vor, in Süd- und Mittelamerika, aber auch in Florida und in Texas. Gebiete in Südost Asien sind ebenfalls betroffen. Dazu gehören etwa Thailand, Vietnam und die Philippinen.
Im Jahr 2015 kamen in Brasilien plötzlich viele Kinder mit schlimmsten Behinderungen zur Welt – mit einer Mikrozephalie genannten Verkleinerung des Schädels. Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft sind besonders gefährdet, zumal die Übertragung oft unbemerkt vor sich geht.
Bei Erwachsenen entwickelt nicht jede infizierte Person Symptome, sondern nur etwa jede fünfte: Hautausschlag, Bindehautentzündungen, Gelenkschmerzen und Fieber. Die Beschwerden verschwinden meist wieder. An einem wirksamen Impfstoff arbeiten Forscher noch.
West-Nil-Fieber
Dieses Virus kann für ältere Menschen oder für Personen mit einem geschwächten Immunsystem gefährlich werden. Es kann bei ihnen Hirnhautentzündung auslösen, aber auch Herzmuskelentzündungen.
Beheimatet ist das Virus in afrikanischen und asiatischen Ländern, aber auch in Südfrankreich, den USA und in Kanada haben Wissenschaftler es nachgewiesen. Derzeit treibt es in Italien, Griechenland und etlichen südosteuropäischen Ländern sein Unwesen und hat schon einige Todesfälle gefordert.
Anzeichen für eine Infektion sind beim Menschen Beschwerden, die auf viele Krankheiten zutreffen, die Stechmücken übertragen: Schüttelforst und hohes Fieber, Kopfschmerzen und Benommenheit, später dann Hautauschlag. Nicht jeder Infizierte zeigt diese Symptome. Sie tauchen nur etwa bei jedem fünften auf. Eine Impfung? Die gibt es bisher genauso wenig wie vorbeugende Medikamente.
Chikungunya
Verbreitet sind Chikungunya-Viren im südlichen und im östlichen Afrika, aber auch auf dem indischen Subkontinent, auf den Inseln im Indischen Ozean und in Südostasien. Diese Erkrankung geht wie viele Erkrankungen, die von Stechmücken übertragen werden, mit Fieber einher.
Das hält allerdings in der Regel nur etwa drei Tage an. Anders bei den starken Gelenkschmerzen, die darauf folgen. Sie dauern ein bis zwei Wochen, klingen aber wieder ab. Bei einigen der Infizierten entstehen juckende, punktförmige Hautblutungen, aber auch leichtere Schleimhautblutungen etwa aus der Nase. Bleibende Schäden gibt es nicht. Ist die Erkrankung überstanden, ist der Patient sein ganzes Leben lang immun. Eine Impfung gibt es nicht.
Malaria
Malaria ist die wohl bekannteste Tropenkrankheit. Die Anopheles-Mücke überträgt den Parasiten, einen Einzeller, Plasmodium genannt. Rund vierzig Prozent aller Menschen weltweit leben in Gebieten, die Malaria-gefährdet sind.
Die Krankheit verläuft in Fieberschüben. Die Symptome können ein regelrechter Mix aus verschieden Krankheitsanzeichen sein. Dazu gehören Kopf- und Gliederschmerzen, Schweißausbrüche und Schüttelfrost, aber auch Durchfall.
Im Verlauf der Erkrankung kann es zu schlimmen Schädigungen des Nervensystems kommen. Jedes Jahr sterben etwa eine Million Menschen an der Infektionskrankheit. Die Anopheles-Mücke fühlt sich in warmen Gebieten sehr wohl, denn um Malaria übertragen zu können, braucht sie die Wärme. Aktiv sind nur die Weibchen. Sie sind die gefährlichen Blutsauger. Obwohl die Forschung auf Hochtouren läuft, gibt es noch immer keine zuverlässige Impfung. Es gibt allerdings medikamentöse Behandlungen, die vorbeugen können.
è Moskitonetze bieten einen wirksamen Schutz gegen Stechmücken
Schutz vor Stechmücken
Die allgemeine Empfehlung: Mückenschutz in Form von Sprays, sogenannte Repellentien. In warmen Regionen sind Moskitonetze eine gute Maßnahme und helle Kleidung, die den ganzen Körper bedecken sollte. Hundertprozentigen Schutz gibt es in den meisten Fällen nicht, es sei denn es existiert eine Impfung gegen den jeweiligen Erreger, aber die gibt es leider noch lange nicht für alle Erkrankungen, die Stechmücken übertragen.

Spiegel online

Europa: 11 Menschen sterben am West-Nil-Fieber

Mehrere Todesfälle, mehr als 150 Erkrankte in nur einer Woche: In Europa breitet sich in diesem Sommer das West-Nil-Fieber aus. Die Krankheit wird von Stechmücken übertragen.

Freitag, 10.08.2018 17:45 Uhr

In fünf EU-Ländern sind in der vergangenen Woche Menschen am West-Nil-Fieber erkrankt. Italien meldete 72 Fälle, Griechenland und Rumänien je 16. In Ungarn erkrankten 13 Menschen, in Frankreich drei.
Auch die Nicht-EU-Staaten Serbien (32) und das Kosovo (2) meldeten Fälle des Fiebers, berichtet die EU-Seuchenschutzbehörde ECDC. In Serbien starben fünf Menschen an der Krankheit, in Griechenland drei, Italien, Rumänien und das Kosovo meldeten je einen Todesfall.
Insgesamt erkrankten in diesem Jahr schon 231 Menschen in EU-Ländern und 104 Menschen in benachbarten Staaten am West-Nil-Fieber, so die ECDC. 17 starben an der Krankheit.

Was ist das West-Nil-Fieber?
Die Krankheit wird durch das West-Nil-Virus ausgelöst, das vor allem von Stechmücken der Gattung Culex übertragen wird. Sie tritt in Afrika, Nahost, Nordamerika, Westasien und Europa auf, berichtet die Weltgesundheitsbehörde WHO. Bereits 1996 gab es einen größeren Ausbruch in Rumänien und seitdem ist die Krankheit immer wieder in europäischen Ländern, vor allem Italien, Griechenland und Rumänien, aufgetreten. Diesen Sommer gibt es jedoch mehr Fälle als in den fünf Jahren zuvor – und dies auch deutlich früher im Jahr.
Das sind die Symptome?

In den meisten Fällen merken die Betroffenen gar nicht, dass sie sich mit dem West-Nil-Virus infiziert haben. Doch in etwa 20 Prozent der Fälle führt die Infektion zum West-Nil-Fieber. Erkrankte leiden an Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. In manchen Fällen bildet sich ein Hautausschlag und die Lymphknoten schwellen an.
In seltenen Fällen nimmt die Krankheit einen deutlich schwereren Verlauf und löst eine Entzündung des Hirns oder der Hirnhäute aus. Dann kann sie tödlich enden.

So wird das Virus übertragen.
West-Nil-Fieber wird meist durch Stechmücken übertragen. In seltenen Fällen haben sich Menschen auch durch Kontakt mit anderen infizierten Tieren oder durch Bluttransfusionen und Organtransplantationen angesteckt. Ebenso ist eine Übertragung von Mutter zu Kind beim Stillen möglich. Davon abgesehen sind am West-Nil-Fieber Erkrankte aber nicht ansteckend für andere Menschen.
Es gibt keine Impfung, die vor der Infektion schützt.

03. August 2018, 10:12 Uhr

Virologie: West-Nil-Virus an der Adria

• In Italien haben sich bereits 20 Menschen mit dem West-Nil-Virus infiziert.
• Auch in früheren Jahren gab es solche Ausbrüche, doch normalerweise häufen sich die Infektionen erst Ende August.
• Die anhaltende Hitze hilft auch anderen Erregern, sich in Europa auszubreiten.

Von Hanno Charisius
Einige Regionen in Nordostitalien kämpfen zurzeit gegen das West-Nil-Virus. In diesem Jahr wurden bereits 20 Menschen in Italien infiziert, ein 77-jähriger Mann starb am vergangenen Wochenende wahrscheinlich infolge einer Infektion mit dem Erreger. Laut Medienberichten haben die lokalen Behörden Schwierigkeiten, den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.
Infizierte Mücken übertragen den Erreger des West-Nil-Virus auf Vögel, Pferde und Menschen. Obwohl in drei Regionen Venetiens bereits Mückenbekämpfungsprogramme angelaufen sind, werden dort noch immer blutsaugende Insekten gefunden, die das Virus in sich tragen.
Die meisten Menschen bemerken eine Infektion mit dem 1937 erstmals beschriebenen Virus gar nicht. Nur einer von fünf infizierten Menschen entwickelt grippeähnliche Symptome. Schwere Komplikationen, die zum Tod führen können, erleidet laut Weltgesundheitsorganisation WHO im Durchschnitt einer von 150 Infizierten.
Irgendwann könnte der Erreger den Sprung über die Alpen schaffen
Der Erreger taucht seit einigen Jahren regelmäßig in Ost- und Südeuropa auf. Dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden bis zur vergangenen Woche 37 West-Nil-Fälle aus EU-Ländern gemeldet. Allerdings treten in diesem Jahr die ersten Infektionen „früher als erwartet auf“, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Bei den herrschenden hohen Temperaturen kann sich das Virus in den Mücken sehr schnell vermehren, was die Ausbreitung beschleunigt. In früheren Jahren stiegen die Infektionszahlen erst im August.
Irgendwann könnte der Erreger den Sprung über die Alpen schaffen. In Deutschland heimische Mücken sind in der Lage, das Virus zu übertragen. Die anhaltend hohen Temperaturen im Norden bereiten Schmidt-Chanasit deshalb „sehr große Sorgen“. Der West-Nil-Erreger ist dabei aber nur ein Problem. Andere tragen unheilvolle Namen wie Dengue, Chikungunya oder Usutu-Virus, das sich bereits seit einiger Zeit in Deutschland ausbreitet. Für Vögel ist dieser Erreger tödlich, und fordert laut Schmidt-Chanasit in diesem Jahr weit mehr Opfer als im vergangenen. Menschen kann das Virus ähnlich gefährlich werden wie der West-Nil-Erreger und Hirnhautentzündungen hervorrufen.
Wenn sich Reisende im Ausland mit Dengue- und Chikungunya-Viren infizieren und wenn die Hitze weiter anhält, könnte es auch in Deutschland zu lokalen Ausbrüchen kommen. Denn Mücken, die auch diese Erreger übertragen könnten, leben seit einigen Jahren ebenfalls in Deutschland.

Mücken: Gefahr von Stichen und sinnvolle Maßnahmen

Von Maria Berentzen
Aktualisiert am 05. Juli 2018, 17:42 Uhr

In diesem Jahr summen ungewöhnlich viele Mücken durch Deutschland. Die Plagegeister sind nicht nur lästig, sondern haben auch das Potenzial, Krankheiten zu übertragen. Schutzlos ist der Mensch aber nicht – und auch nach dem Stich gibt es Dinge zu beachten.
Sie surren, sie stechen – und sie können ziemlich nerven: In diesem Sommer schwirren besonders viele Mücken durch Deutschland. Stark betroffen sind der Süden, der Ostern und der Westen. Lediglich im Norden hatten die Mücken bislang kein ganz so erfolgreiches Jahr.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass einige Mücken den Erreger der Borreliose in sich tragen. Muss man sich nun nach einem Stich sorgen machen, dass man krank wird? Und wie kann man sich effektiv vor den Plagegeistern schützen?

Was ist der Grund für die Mückenplage?
Die Mücken hatten zuletzt besonders gute Bedingungen: Es war warm und feucht zugleich. So konnten sie sich wunderbar vermehren. Durch Gewitter gab es immer irgendwo eine Pfütze für den Nachwuchs, der zunächst als Larve im Wasser aufwächst.
Zudem sind die natürlichen Feinde der Mücke in diesem Jahr spät gekommen: Mehlschwalben und Mauersegler blieben hinter den Alpen hängen, weil es im Frühling noch lange kalt war. Einige zogen erst gar nicht mehr bis nach Deutschland, sondern blieben gleich im Süden von Europa.

Kann man durch einen Mückenstich Borreliose bekommen?
Wissenschaftler des Senckenberg-Instituts haben bereits 2016 nachgewiesen, dass einige Mücken in Deutschland den Erreger der Borreliose in sich tragen.
Die Krankheit zeigt sich in vielen Fällen zunächst durch einen großflächigen Hautausschlag, der auch als Wanderröte bezeichnet wird. Im weiteren Verlauf kann sie unter anderem zu chronischen Entzündungen an Gelenken führen.
Weiterhin sind in Deutschland allerdings nicht Mücken, sondern Zecken die Hauptüberträger der Borreliose. Nach einem Mückenstich an Borreliose zu erkranken, ist zwar nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich.
Warum die Übertragungsrate bei Mücken im Vergleich zu Zecken so gering ist, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Eine Theorie dafür ist, dass der Stich deutlich kürzer dauert und Mücken nicht so tief in die Haut eindringen wie Zecken.
Wer nach einem Mückenstich Symptome beobachtet, die auf eine Borreliose hindeuten, sollte aber zum Arzt gehen. Dazu zählt insbesondere die großflächige Rötung, die einige Tage bis Wochen nach dem Stich auftreten kann.

Sind Mückenstiche gefährlich?
Eher nein. Grundsätzlich sind die meisten Mückenstiche vor allem lästig, aber harmlos. Sie vergehen nach einigen Tagen von selbst wieder. Allerdings können auch Erreger in die kleine Stichwunde gelangen. Das gilt umso mehr dann, wenn man sich an der Stelle kratzt. Dann kann der Stich sich entzünden und fühlt sich heiß an. Die Haut schwillt großflächig an und schmerzt.
Manche Menschen reagieren auch allergisch auf Mückenstiche. In der Regel ist das nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise bei einer Allergie auf Bienen- oder Wespenstiche.
Aber es kann durchaus zu einer sehr starken Schwellung und Kreislaufproblemen kommen. Wer damit Probleme hat oder einen stark geröteten Stich bemerkt, sollte sich zur Sicherheit besser bei einem Arzt vorstellen.

Können Mücken Krankheiten übertragen?
Einige Viren finden in Mücken optimale Lebensbedingungen vor und können über einen Stich übertragen werden. Das gilt aber vor allem für Mücken, die in tropischen Gebieten leben. Bislang sind in Deutschland rund 50 Mückenarten heimisch. Die meisten von ihnen übertragen keine gefährlichen Krankheiten. Es haben sich aber auch Arten angesiedelt, die grundsätzlich das Potenzial haben, Erreger zu verbreiten.
Das gilt zum einen für die Asiatische Tigermücke, die beispielsweise in Bayern und Thüringen gesichtet wurde, wie auch für die Asiatische Buschmücke, die sich unter anderem in Sachsen verbreitet hat. Bislang ist aber kein Fall bekannt, in dem eine Mücke in Deutschland Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder das West-Nil-Virus übertragen hat.
Das liegt unter anderem daran, dass nicht jede dieser Mücken automatisch gefährliche Erreger in sich trägt. Allerdings wurde kürzlich bei Mücken in Tschechien das West-Nil-Virus nachgewiesen, das ähnlich wie ein grippaler Infekt verläuft, aber durch eine Hirnhautentzündung auch zum Tod führen kann.
Bislang gab es auch dort keine Krankheitsfälle bei Menschen, aber potenziell sind sie möglich. Insofern ist es auch denkbar, dass in Deutschland einmal gefährliche Krankheiten von Mücken übertragen werden könnten. Aktuell besteht aber kein Grund zur Sorge. Sinnvoll ist es aber in jedem Fall, sich vor Stichen zu schützen.
Was hilft wirklich gegen Mücken?
Es kursieren alle möglichen Tipps zu Mitteln und Hausmitteln gegen Mücken.

Was tatsächlich hilft:
lange Kleidung tragen
Insektennetze an den Fenstern anbringen oder über dem Bett ein Moskitonetz aufhängen
– Stehendes Wasser im Garten abdecken oder ausgießen. Mücken brauchen Gewässer, um sich zu vermehren. Dafür reicht ihnen bereits ein Blumenuntersetzer oder eine Vogeltränke. Regentonnen sollte man mit einem Netz abdecken.
Mückenschutzmittel auf die Haut auftragen. Besonders effektiv sind Mittel mit den Wirkstoffen DEET und Icaridin. Insbesondere Mittel mit DEET sollte man nicht zu häufig verwenden, da der Wirkstoff auch auf das Nervensystem wirkt und Reizungen verursachen kann. Dafür ist er aber äußerst wirksam gegen Mücken. Was wirklich wirkt, hat auch die Stiftung Warentest geprüft.
Verdampfer mit Bioziden einsetzen. Allerdings haben auch sie Nebenwirkungen: Was Mücken wirksam tötet, kann insbesondere Allergiker reizen.
Ventilatoren – Mücken mögen keinen Wind
Was oft empfohlen wird, aber eher nicht hilft:
– Apps, die Mücken mit Geräuschen vertreiben sollen
– Vitamin-B-Tabletten
– Knoblauch, weder in eingenommener Form noch auf der Haut
– Zitronen- und Lavendelöl: Die Wirkung hält oft nur sehr kurz an.

Die Saison beginnt:

Informieren Sie sich über Mücken an Ihrem Reiseort: www.mueckenschutz-ratgeber.de/muecken-ausland

Asiatische Tigermücke in Deutschland
Diese Städte in Baden-Württemberg erobert die Stechmücke

Von red/dpa 24. August 2017 – 11:13 Uhr
Vor zehn Jahren tauchten erste Exemplare der Asiatischen Tigermücke in Deutschland auf. Die Stechmücken übertragen gefährliche Krankheiten und überwintern mittlerweile auch in Baden-Württemberg.
Die Asiatische Tigermücke ist die aggressive Variante der Stechmücke.
Freiburg/Heidelberg/Speyer – Schon ihr Name klingt bedrohlich: Asiatische Tigermücke. Sie ist die zugereiste aggressive Variante unser zwar nervigen aber doch wenig bedrohlichen Stechmücken. Das Insekt mit dem zoologische Namen Aedes albopictus kann gefährliche Viren übertragen, darunter Dengue, Zika und Chikungunya. Ziemlich genau vor zehn Jahren kamen die ersten Exemplare nach Deutschland.
Erstmals war die wärmeliebende Asiatische Tigermücke Ende September 2007 an einem Rastplatz der Autobahn A5 (Basel – Karlsruhe) bei Weil am Rhein gefunden worden. Aus dem Jahr 1979 stammt nach Angaben der European Mosquito Control Association (EMCA) der erste europäische Nachweis des Insekts in Albanien. 1990 wurde es in einer Ladung gebrauchter Reifen aus den USA in den italienischen Hafen Genua eingeschleppt.
Tiegermücken wollen neuen Lebensraum erobern
Angesichts des Klimawandels scheinen sich die stechenden Tierchen, die an ihren weißen Tigerstreifen zu erkennen sind, einen neuen Lebensraum nördlich der Alpen dauerhaft erobern zu wollen. In Freiburg und Heidelberg überwintern sie bereits. Die erste größere brütende Population wurde im September 2015 im Heidelberger Stadtteil Wieblingen nachgewiesen. Ein Jahr zuvor war bereits eine kleinere Population in Freiburg entdeckt worden.
Doch die professionellen Mückenjäger am Oberrhein – wo die Plagegeister Schnaken genannt werden – geben angesichts jahrzehntelanger Erfahrung nicht auf. Die Fachleute der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) und des Instituts für Dipterologie (IfD) in Speyer, das Zweiflügler erforscht, setzen dabei auf konventionelle Mittel der Mückenbekämpfung. Dazu zählen das Austrocknen oder Abdecken von Brutstätten, wie Regentonnen, Vogeltränken oder Topfuntersetzern.
Auch Fallen sollen helfen, die Zahl der Tiere zu reduzieren. Außerdem greifen die Experten auf das Bakterium BTI zurück, das die Larven tötet und in den Auen des Oberrheins die Mückenplage erfolgreich in Grenzen hält. Es wird unter anderem per Hubschrauber verteilt.
Die männlichen Tiere werden sterilisiert
Größte Hoffnung ist aber eine biotechnologische List. Im italienischen Bologna werden einige aus Deutschland gebrachte Tigermücken vermehrt. Mit Hilfe von Gammastrahlen sterilisieren die Experten um Professor Romeo Bellini dann die männlichen Tiere. Ihre Puppen sind kleiner als die der Weibchen und können daher ausgesiebt werden. Nach der Behandlung sind sie unfruchtbar. Die sterilisierten Tigermücken werden in den neuen Lebensräumen in Deutschland ausgesetzt. Sie paaren sich mit den Weibchen – doch ihr Sperma führt kaum noch zu lebensfähigem Nachwuchs.
Ob es auf diese Weise gelingt, die Populationen wieder auszurotten, muss die Zeit zeigen. Im vergangenen Jahr gab es erste Erfolge. Eine auf wenige Gärten begrenzte Population in Sinsheim im Rhein-Neckar-Kreis sei praktisch verschwunden, sagt der wissenschaftliche Direktor der Kabs, Norbert Becker. Dort habe die Beseitigung der Brutstätten und die Behandlung mit BTI gereicht.
Die Populationen in Freiburg und Heidelberg seien um 80 bis 90 Prozent reduziert. „Den Rest wollen wir jetzt noch in die Knie zwingen.“ Gerade hole ein Mitarbeiter wieder 15 Kästen mit je 1000 sterilisierten Männchen aus Bologna ab, sagt der promovierte Biologe und unterstreicht die Bedeutung der Arbeit der italienischen Kollegen.
Im Juli wurden Tigermücken in Rheinland-Pfalz gesichtet
Bei allen Erfolgen kommen aber auch die Mücken auf ihrem Eroberungszug voran. Im Juli seien die ersten Exemplare in Rheinland-Pfalz gesichtet worden, an der Autobahn 61 bei Speyer, sagt Becker. Es seien einzelne Exemplare auf Rasthöfen. „Schlimm wird es, wenn sie in Siedlungs- und Gartenbereiche eingeschleppt werden“, sagt Becker. Der Kampf gegen die Asiatischen Tigermücken dürfte eine Daueraufgabe bleiben. Denn mit den endlosen Auto- und Lastwagenkolonnen werden immer wieder Exemplare nach Deutschland kommen. „Wenn man alles ins Feld wirft, was wir an Möglichkeiten der Bekämpfung haben, dann haben wir gute Chancen. Aber es bleibt eine Daueraufgabe“, sagt Becker.
vom 2. September 2016 aus Sylter Rundschau

Spätsommer-Plage</2>

Mückenalarm auf Sylt: Die ganze Insel wird gepiekst

Seit einigen Tagen sind auf Sylt so viele Mücken unterwegs wie seit Jahren nicht mehr. Die Anti-Mückensprays in Apotheken und Drogerien sind knapp.

Sylt | Es summt leise, dann kitzelt es seicht und kurz darauf folgt ein quälender Juckreiz, der mehrere Stunden oder Tage anhält: Seit rund einer Woche schwirren auf der Insel ungewöhnlich viele Stechmücken umher. Und kaum einer bleibt von ihren Stichen verschont. In Ruhe abends ein Bier trinken und den Sonnenuntergang genießen? Wer nicht Opfer der hungrigen Blutsauger werden will, kann das auf Sylt – zumindest an den meisten Orten – im Moment nur mit reichlich aufgetragenen Anti-Mückencremes und sorgsam gewählter Kleidung.

Sogar durch Jeansstoff stechen die kleinen Insekten – die an manchen Inselorten auch in Schwärmen zu sehen sind. Selbst auf Radfahrern, obwohl vom Fahrtwind umgeben, lassen sie sich nieder und durchstechen mit Hilfe ihres stechend-saugenden Rüssel die Haut ihrer ahnungslosen Wirte und laben sich an deren Blut. Allein die weiblichen Stechmücken saugen Blut, denn sie brauchen diese eisenhaltige Mahlzeit nach der Befruchtung, um Eier zu bilden. Ihre juckenden Stiche werden, verständlicherweise, von vielen Menschen als „plagend“ empfunden.

Die Zweiflügler brauchen (stehende) Gewässer beziehungsweise deren Nähe, um ihre Eier abzulegen. Teilweise reichen bereits kleinste Wassermengen wie in Baumhöhlen, Felsmulden oder Pfützen.

Um sich vor den hungrigen Plagegeistern zu schützen, suchen die Menschen auf der Insel Hilfe in Apotheken und Drogerien. In der Westerländer Insel-Apotheke waren alle Anti-Mückenmittel ausverkauft. Schon mehrmals seien die Anti-Mückenmittel seit Donnerstag bei ihm ausverkauft gewesen. Einige Mückengeplagte würden so heftig auf die Stiche reagieren, dass er sie direkt zum Arzt habe schicken müssen, sagt der Apotheker.

Seit Tagen strömen Sylter und Urlauber mit ihren zerstochenen Körpern in die Nordseeklinik in Westerland. Die Menschen kommen mit ausgeprägten – teilweise „handflächengroßen“ – Schwellungen, Blasenbildungen und Hauteinblutungen. In diesem Jahr gäbe es besonders viele Stiche mit intensiver „lokaler allergischer Reaktion“. Um von den Stichen verschont zu bleiben, sollten alle Körperteile bedeckt sein, ein Insektenschutzspray aufgetragen sowie die Fenster mit Mückengittern geschützt werden.

Neben Zitronenöl und Lavendel, enthalten Tinkturen auch Nelken und Petersiliensamen.

Auszug aus: deutschlandfunk.de vom 26.08.2016

Sterile Männchen und klebrige Fallen
Wie Deutschland die Tigermücke bekämpft

Denguefieber, West-Nil-Fieber, Zika-Virus: Die Tigermücke ist Überträgerin zahlreicher Erkrankungen. Ursprünglich kam sie nur in Südostasien vor, mittlerweile ist sie auch in Europa und sogar Süddeutschland heimisch. Noch bestehe die Chance, die Tigermücke wieder loszuwerden, glauben Experten. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Die Tigermücke. Sie lebt mindestens seit 2014 in dieser Kleingartenanlage. Obwohl sie aus den heißen Subtropen stammt, aus Südostasien, hat sie es geschafft, in Freiburg zu überwintern.

Musterbeispiel der Globalisierungs-Nutzung

Das Tier mit dem wissenschaftlichen Namen Aedes albopictus ist ein Musterbeispiel für ein Insekt, das von Globalisierung und Klimawandel profitiert: Mit alten Autoreifen hat es sich über die ganze Welt verbreitet. Alte Reifen sind ein begehrtes Handelsgut, das sich vielseitig weiterverwenden lässt: im Straßenbau oder auf Kunstrasenplätzen als Substrat, in der Parfümherstellung als Basis für Düfte, in Zementfabriken als Brennstoff.

Früher legte das Insekt seine Eier in Baumhöhlen, heute nimmt es auch gern andere Behälter, in die es hineinregnen kann: Vasen auf dem Friedhof, Getränkedosen im Gebüsch oder eben Autoreifen, die unter freiem Himmel auf den Abtransport warten. Die Tigermücke bereitet den Experten besonders aus einem Grund Sorgen, sagt die Infektionsschutzexpertin Isolde Piechotowski.

„Die Tigermücke ist einfach ein potenter Krankheitsüberträger für bestimmte, vor allem virale Erkrankungen. Dazu zählen Chikungunyafieber, Denguefieber, West-Nil-Fieber, und es gibt Hinweise, dass auch das Zika-Virus durch diese Mücke übertragen werden kann.“

Und der Klimawandel sorgt dafür, dass die Mücke an immer mehr Stellen geeignete Lebensbedingungen findet. So wie in den vergangenen Jahren in Freiburg.

Reisende Plagegeister

Die RoLa, die Rollende Landstraße, bringt komplette Lkw per Eisenbahn von Novara in Norditalien durch die Alpentunnel hierher nach Freiburg. Jeder Zug bringt 20 Lastwagen.

Stündlich fahren sie ein. Während der Mückensaison kommen so 25.000 LKW zusammen. Wenn Mückenweibchen in Italien auf der Suche nach Blut den Fahrern in die Führerhäuschen folgen, sind sie die ganze Fahrt über eingesperrt.

„Hier direkt gegenüber hält der Zug mit den LKWs, die Fahrer gehen dann zu den Kabinen, und das ist dann die erste Möglichkeit für die Mücken seit Italien wieder aus diesen LKW zu entweichen. Die Mücke findet sofort alles was sie braucht: Die Regentonnen, um die Eier abzulegen, Gebüsche und Hecken, um sich zu verstecken, und natürlich die Pächter, um sie zu stechen, um an Blut heranzukommen.“

Hohe Kosten zur Bekämpfung einer Plage

Von Südostasien aus hat sich die Tigermücke mit dem Warenverkehr über die ganze Welt verbreitet. Heute kommt sie an der ganzen Nordküste des Mittelmeeres vor. Italien war das erste Land in Europa, in dem sie aufgetaucht ist. Sie ist beinahe im ganzen Land heimisch. Und vielerorts eine echte Plage.

Mancherorts sind so viele Tigermücken unterwegs, dass Café-Besitzer schon gar keine Tische und Stühle mehr auf die Terrasse stellen. Und dann ist da die gesundheitliche Seite.

„Wir haben vor zehn Jahren eine schlechte Erfahrung gemacht. Ein Reisender war am Chikungunya-Virus erkrankt und in die Region Ravenna gekommen. Dann wurde er von einer Tigermücke gestochen, die das Virus an mehr als 200 Menschen weiterverteilt hat. Eine richtige Epidemie. Ein Patient starb. Darüber hinaus kann das Insekt Dengue und Zika übertragen, das sind Risiken, die wir erwägen müssen.“

Auch nach Deutschland bringen Reisende immer wieder Viren mit: „In den Jahren 2010 bis 2015 kamen durchschnittlich elf Reiserückkehrer mit Chikungunya nach Baden-Württemberg und 111 mit Dengue. Also wenn die Mücke auf eine dieser Personen trifft, nimmt sie die Viren auf und kann beim Stechen einer weiteren Person auf diese dann den Krankheitserreger übertragen, also so ganz aus der Welt gegriffen ist das Risiko nicht.“

Auch Heimische Mücken bergen Gefahren

Am Rande bemerkt: Welche hier heimischen Mücken exotische Krankheiten übertragen können – auch da kann es noch einige Überraschungen geben. Wie 2009 mit dem Erreger der Blauzungenkrankheit oder 2011 mit dem Schmallenberg-Virus. Beides sind Viren, die eigentlich von winzigen tropischen Mücken, von Gnitzen, verbreitet werden. Doch es hat sich gezeigt, dass auch mitteleuropäische Gnitzen dazu in der Lage sind. Die beiden Tierseuchen haben für schwere Schäden bei Züchtern geführt. Um solche Überraschungen zu vermeiden, testen Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg derzeit, ob heimische Stechmücken das Zika-Virus übertragen können.

Seit Mai sind Krankheiten, die von Mücken übertragen werden, in Deutschland übrigens meldepflichtig. Dass immer wieder Viren nach Deutschland kommen, lässt sich kaum vermeiden. Deshalb muss man also bei den Überträgern, den Mücken, ansetzen. Denn auch Impfungen fehlen gegen diese Erreger bislang.

……………………………………..

Stand: 16.08.2016
Auszug aus den aktuellen Meldungen von crm.de

Italien

West Nile-Fieber: Ende Juli wurde die erste Infektion für diese Saison gemeldet. Ein Mensch in Bologna (Region Emilia-Romagna, N) ist erkrankt. Bis Anfang August wurden in der Region 5 Infektionen gemeldet. Die Infektion kommt in Italien sporadisch vor, besonders im Norden des Landes. Das Virus wird durch Stechmücken von einem Wirt zum nächsten übertragen. Es infiziert hauptsächlich Vögel, kann aber auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergreifen. Bei Menschen kommt es in 80% der Fälle zu keinen Symptomen. In den anderen Fällen treten grippeähnliche Symptome auf. Das Virus kann die Blut-Hirn-Schranke überschreiten und zu Meningitis, Enzephalitis und Lähmungen führen. Mückenschutz beachten.
Meldung eingestellt am: 16.08.2016
Ärzte und Apotheker finden alle Meldungen sowie spezielle Hinweise für Fachkreise im CRM Fachportal >>
T-Online – Mittwoch, 06.07.2016, 11:32 von Anja Sokolow, dpa

Stechmücken-Plage droht – Bürger sind zur Mückenjagd aufgerufen

In diesem Jahr droht eine Mückenplage. Zudem siedeln sich neue Arten an, die womöglich Krankheiten übertragen. Deshalb rufen Forscher die Menschen nun dazu auf, ihnen die stechenden Insekten zuzusenden. Sie wollen die Verbreitungsgebiete in einem Mückenatlas kartieren. „Wir sind dankbar für jede Mücke“, betont Biologin Doreen Walther.

Mehr zum Thema

  • Mücken: Immer mehr Mücken-Exoten nachgewiesen
  • West-Nil-Fieber & Co: Klimawandel begünstigt durch Ungeziefer übertragene Krankheiten
  • Fälle seit 2001 verzehnfacht: Dengue-Fieber breitet sich in Deutschland aus
  • Von wegen „süßes“ Blut: Die Gene bestimmen, wen Mücken stechen
  • Deutschland: Einheimische Mücken könnten Borreliose übertragen

Die Kombination aus starken Regenfällen und sommerlichen Temperaturen bietet Mücken ein ideales Brutklima. Bei den derzeitigen Bedingungen benötige die neue Mückengeneration nur rund zwei Wochen bis zum Schlupf, erklären Forscher vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg.

Zika-Virus zeigt: Kleine Mücke – große Gefahr
In Europa häuften sich Ausbrüche von Krankheiten, die von Stechmücken übertragen werden. Denguefieber, West-Nil-Fieber und Chikungunya-Fieber sowie der jüngsten Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika seien der aktuelle Beweis für die Bedeutung von Stechmücken als Krankheitsüberträger. „Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten“, erklärt die Biologin Doreen Walther.

Mückenatlas soll Risikogebiete zeigen
An der Kartierung der in Deutschland vorkommenden Mückenarten arbeitet das ZALF gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit in Greifswald seit 2012. In diesem Jahr haben Sammler bisher rund 600 Mücken eingeschickt. Der Mückenatlas soll helfen, das Risiko für durch Stechmücken übertragene Krankheiten abzuschätzen.

Asiatische Tigermücke überwintert in Deutschland
Als besonders gefährlich gilt die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Dank der Einsendungen für den Mückenatlas wurde sie bereits in Baden-Württemberg und Thüringen nachgewiesen. Es sei davon auszugehen, das diese in Deutschland erfolgreich überwintert habe, sagte Helge Kampen, Leiter der Arbeitsgruppe Medizinische Entomologie am FLI. „Es wurden Eier im Frühjahr und erste Larven im Mai entdeckt.“
Das Insekt gelangt schon seit einigen Jahren vereinzelt mit Reisenden aus Südeuropa nach Deutschland, seine Eier sind jedoch nicht sehr kältetolerant. Von einer anderen Art, der Asiatischen Buschmücke, sind inzwischen vier etablierte Populationen in insgesamt sechs Bundesländern bekannt. Insgesamt wurden in Deutschland seit 2007 vier invasive Arten nachgewiesen.

Mücken möglichst unversehrt einsenden
Die Forscher benötigen intakte Exemplare, zerquetschte oder platt geschlagene Tiere sind unbrauchbar. Zum Abtöten gefangener Mücken empfehlen die Forscher, sie für einen Tag ins Gefrierfach zu legen. Um zur Bestimmung wichtige Schuppen und Borsten an bestimmten Körperstellen zu erhalten, sollten die Tiere zudem nicht direkt in einen Briefumschlag gesteckt, sondern in eine kleine Schachtel, eine flache Dose oder ein Röhrchen gelegt werden.

Mit in den Brief kommt ein Formular mit Fundangaben. „Insgesamt können Sie so viele Mücken fangen, wie es Ihrer Motivation und dem Mückenaufkommen entspricht“, heißt es auf Internetseite mückenatlas.de. Mückenjäger senden ihre Ausbeute an diese Adresse:
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung
„Mückenatlas“
Eberswalder Straße 84
15374 Müncheberg

………………

FOCUS-Online – Sonntag, 12.06.2016, 08:28 und Mittwoch, 13.07.2016, 11:26

Insektenplage für 2016 erwartet: Asiatische Tigermücke überträgt Chikungunya-Virus: So gefährlich ist die Erkrankung

Einige Experten sind alarmiert: Die Asiatische Tigermücke wurde bereits in Thüringen und Baden-Württemberg nachgewiesen. Sie überträgt das Chikungunya-Virus. An diesen Symptomen erkennen Sie die Erkrankung.
  • Überträger von Infektionskrankheiten, darunter die Asiatische Tigermücke, breiten sich in Deutschland aus.
  • Mitschuld ist der Klimawandel, der neue Tierarten ins Land bringt.
  • Der Mückenatlas soll das Risiko für Deutschland einordnen.

Viel Regen und schwüle Wetterlage: Diese Situation liefert beste Voraussetzungen, damit Mücken sich vermehren. Die Biologin Doreen Walther vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg und ihre Kollegen befürchten deshalb eine wahre Mückenplage für 2016. Unter den derzeitigen Bedingungen benötige die neue Mückengeneration nur rund zwei Wochen, bis sie schlüpft.

Die Gefahr dabei: Die Insekten übertragen auch Krankheiten. Die aktuelle Bedeutung der Stechmücken hätte sich „durch die in Europa in den letzten Jahren zunehmenden Ausbrüche von Stechmücken-übertragenen Krankheiten wie Dengue-, Westnil- oder Chikungunya-Fieber sowie den jüngsten Zika-Virus-Ausbruch in Südamerika“ gezeigt, erklärte Walther.

Besonders von der Asiatischen Tigermücke geht Gefahr aus

Darum dokumentieren die Forscher gemeinsam mit dem Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) in Greifswald seit 2012 alle in Deutschland vorkommenden Mückenarten.

Die Biologin ergänzte: „Zur Risikoabschätzung benötigen wir dringend Daten zur Verbreitung der in Deutschland vorkommenden invasiven und einheimischen Arten.“

Der Mückenatlas soll helfen, das Risiko für durch Stechmücken übertragene Krankheiten abzuschätzen. Als besonders gefährlich gilt die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die unter anderem das Chikungunya-Virus überträgt. Sie kann zudem das West-Nil-Virus weitergeben sowie das Dengue- oder Gelbfieber. Dank der Einsendungen der Bürger für den Mückenatlas wurde sie bereits in Baden-Württemberg und Thüringen nachgewiesen.

So gefährlich ist das Chikungunya-Virus, das die Asiatische Tigermücke mitbringt

„Die Erkrankung selbst ist eher lästig als gefährlich. Sie läuft wie eine akute Grippe ab“, erklärte Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin Düsseldorf.

Die Betroffenen zeigen laut Jelinek grippetypische Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Etwa eine Woche lang ist der Kranke durch Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen geschwächt.

Besonders gefährlich für chronisch kranke Menschen

In wenigen Fällen könne es zu monatelang andauernden, rheumaähnlichen und damit sehr unangenehmen Gelenkschmerzen kommen. Todesfälle habe es ganz selten gegeben.

Gefährlich sei das Virus für chronisch kranke, bereits geschwächte Menschen, Schwangere und Säuglinge. Einen Impfstoff oder eine gezielte Therapie gibt es bisher nicht. Behandelt werden lediglich die Symptome – beispielsweise mit Schmerzmitteln.

Verbreitung der Asiatischen Tigermücke in Europa

Lokale Infektionen waren in Westeuropa bereits 2007 in Italien verzeichnet worden, seitdem hatte die Tigermücke als Hauptüberträger des Erregers hier aber nicht mehr zugeschlagen.

Bislang trat das Chikungunya-Virus vorwiegend in Afrika, in Südostasien, dem indischen Subkontinent und auf den Inseln im Indischen Ozean auf. Seit Ende 2013 scheint der Erreger sich aber rasant auszubreiten. So haben Gesundheitsbehörden in Süd- und Mittelamerika bis 2015 amtlichen Angaben zufolge rund 1,3 Millionen lokal erworbene Fälle von Chikungunya-Fieber registriert.

Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts werden auch in Deutschland regelmäßig importierte Infektionen beobachtet.

Schreibe einen Kommentar